Während
die irische Textilhandelskette PRIMARK in Deutschland auf
Expansionskurs ist und sich insbesondere Kundschaft mit schmalerem
Budget über günstige Schnäppchen freut, leidet das
Verkaufspersonal unter den Arbeitsbedingungen.
In mehreren
deutschen Großstädten hat PRIMARK bereits Filialen eröffnet, zu
denen Kunden teilweise hunderte von Kilometern anreisen um ihrer
Shopping-Leidenschaft zu frönen.
Mit PRIMARK
reiht sich ein weiterer, namhafter Handelskonzern ein in die Kette
der Unternehmen, die ihren Mitarbeitern alles andere als menschliche
Arbeitsbedingungen bieten.
Das
von PRIMARK gepflegte positive Image dürfte nun Risse bekommen, wenn
man den Aussagen von ehemaligen Kollegen Glauben schenken
kann.
Einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen des
expandierenden Modekonzerns gewährt uns Insider Stefan K. (Name
von der Redaktion geändert),
der 18 Monate lang in einer deutschen Filiale als Vollzeitkraft
gearbeitet hat. Aus Angst vor seinem Ex-Arbeitgeber möchte er anonym
bleiben.
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Auf der eigenen Webseite wirbt Primark für die Wertschätzung
der eigenen Mitarbeiter - die Realität sieht anders aus. |
Demzufolge setze
PRIMARK seinen eigenen Leitspruch „Look good – pay less“ als
Modell vor allem auch für die interne Geschäftspolitik um.
Nach
außen wahre das Unternehmen den Schein eines sozialen und fairen
Arbeitgebers, knausere aber offenbar bei den Gehältern der
Angestellten.
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Seine Ausbildung hat K. gut abgeschlossen - trotzdem
verdiente er bei Primark schlecht. (persönliche Daten im Zeugnis aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht - Original liegt der Redaktion vor) |
„Ich
habe 3 Jahre eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht und
vor Primark bereits 18 Monate Berufserfahrung gesammelt und verdiente
bei Primark netto knapp 1100€ und lag mit einem Stundenlohn von
zuletzt 9,43€ ziemlich niedrig und war dabei kein Einzelfall, wie
ich jedoch erst kurz vor meinem Ausscheiden erfuhr.“
In
der Tat zählte K. mit seinem Stundenlohn laut dem DGB als
Niedrigverdiener:
Die Niedriglohngrenze liegt in Westdeutschland
bei 9,50 Euro, in Ostdeutschland bei 6,87 Euro, so der DGB auf seiner
Internetseite.
Die
Annahme, dass man im Niedriglohnsektor nur gering qualifizierte
Arbeiter vorfindet, dürfte durch den Fall K. entkräftet werden.
Dieser wurde trotz Ausbildung unter Wert bezahlt.
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Exemplarische Gehaltsabrechnung von Primark
aus dem Jahre 2010 - trotz Ausbildung ein Niedriglohn. (persönliche Daten aus Datenschutzgründen
unkenntlich gemacht, zur besseren Lesbarkeit wurden die entscheidenden Zahlen vergrößert; das Original liegt der Redaktion vor) | |
„Das
Gehalt stand in keinem Verhältnis zu den zu bewältigenden
Arbeitsmengen. Für den brutalen Knochenjob empfand ich den
Stundenlohn als absolut unangemessen und mich als ausgebildete
Fachkraft absolut ausgebeutet. Was ich leistete, war körperlich
schwere Arbeit. Was ich bekam, war ein lausiger Lohn.“
Sicher
hätte es K. mit seinem Stundenlohn gehaltsmäßig noch schlimmer
treffen können, immerhin war K. direkt bei PRIMARK angestellt.
So
sei, in besonders umsatzstarken Zeiten, (teils ungelerntes) Personal
über Zeitarbeitsfirmen zu einem Bruchteil des Lohns der
PRIMARK-Stammbelegschaft, eingestellt worden.
„Obwohl
viele gute Leute dabei waren, wurden meist die übernommen, von denen
Primark finanzielle Vorteile in Form von staatlichen Fördergeldern
erhielt. Auch eigene Mitarbeiter, die direkt bei Primark angestellt
waren, wurden nur zögerlich übernommen. Es bekamen insbesondere
diejenigen keine Übernahme, die sich offen gegen die Personalpolitik
äußerten.“
Zwar
seien auch einige gute Leute übernommen worden, allerdings sei immer
deutlicher geworden, dass die wirklich guten Mitarbeiter, ohne
Anerkennung oder Möglichkeit des beruflichen Fortkommens, das
Unternehmen bald wieder verließen.
Unter der Belegschaft
verhärteten sich zudem Gerüchte, dass Primark bei der örtlichen
Agentur für Arbeit 1 Euro-Jobber angefragt habe. Zwar wurde diese
Anfrage, den Gerüchten zufolge, von der Arbeitsagentur abgewiesen,
jedoch deckt sich dieser Verdacht mit K.'s Eindrücken.„Die
Gerüchte über die Anfrage bei der örtlichen Arbeitsagentur nach 1
Euro-Kräften konnten zwar nie von jemandem nachgewiesen werden,
allerdings bestätigte das das Bild, das ich zunehmend von diesem
Unternehmen hatte und kein positives war“.
Doch
was war so schlimm an dem „Knochenjob“, der K. nach eigenen
Aussagen fast bis in den Burnout trieb und den viele der Mitarbeiter
mit zunehmender Demotivation ausübten?
Zu K.s Pensum zählte nicht nur das Auspacken von enormen Mengen an
Ware, die schnellstmöglich aufgefüllt werden musste. Es musste laut
K. auch immer darauf geachtet werden, dass sich die Abteilung in
einem ordentlichen Zustand befand. Dies sei allerdings bei dem
außergewöhnlich hohen Kundenaufkommen, das automatisch ein
erhebliches Arbeitspensum mit sich brachte, eine fast unlösbare
Herausforderung gewesen. Man selbst habe oft das Gefühl gehabt,
unterbesetzt zu sein, da die Arbeitsbelastung enorm gewesen sei. Von
Seiten des Managements habe es immer geheißen, dass die Abteilung
eigentlich überbesetzt sei.
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So und schlimmer sieht es in den Primark-
Geschäften tatsächlich aus. |
Setzte
die Geschäftsleitung die Mitarbeiter gezielt unter Druck, damit
diese schneller arbeiteten?
„Wenn
man im Lager Ware auspackte, sollte immer auch Personal auf der
Verkaufsfläche sein. Bei personellem Engpass, der oft aufgrund von
Krankheit an der Tagesordnung war, war dies organisatorisch fast
unmöglich. Man musste gleichzeitig Ware auspacken, auffüllen und
die Verkaufsfläche, die je nach Kundenansturm einem Schlachtfeld
glich, in Ordnung halten. Man bekam vom Management auch zusätzliche
Aufgaben, die meistens ungelegen kamen, da man immer mehr als
ausgelastet mit dem Standard-Pensum war“.
Zu
den belastenden Arbeitsbedingungen trugen auch die Kunden bei, die
meist ohne Rücksicht auf Verluste, die von den Mitarbeitern mühevoll
hergestellte Ordnung mit einem Mal zerstörten, wenn sie körbeweise
aussortierte Ware einfach in der Abteilung zurückließen. Das
Verhalten vieler Kunden, meist aus sozial schwächeren Kreisen oder
mit Migrationshintergrund, sei dreist gewesen und von der
Geschäftsleitung hingenommen worden. Selbst beleidigende Kommentare
von Kunden, teilweise Beschimpfungen auf persönlichem Niveau, sowie
vollkommen respektloses Verhalten hätten die Mitarbeiter hinnehmen
müssen, auch wenn diese vollkommen unschuldig gewesen seien.
„Es
kam durchaus zu Beschimpfungen seitens der Kunden, obwohl man sie
höflich bat, den Einkaufskorb mit ihrer aussortierten Ware nicht
einfach irgendwo auszukippen. Dinge wie „Sackgesicht“ waren da
noch einige der angenehmeren Ausdrücke, die man sich gefallen lassen
musste“.
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Die Mitarbeiter leiden unter dem Verhalten
vieler Kunden - so sieht es an vielen Stellen
im Geschäft aus. |
Wie
respektlos sich viele Kunden verhielten, bestärken auch K.s
Schilderungen von Vorfällen, wo Kunden ihre Notdurft (sowohl „klein“
als auch „groß“) in der Umkleidekabine verrichteten. Dies ist
kein überspitzter Journalismus, sondern tatsächlich so passiert,
wie K. glaubhaft schilderte. Wohl hätte das Preisniveau PRIMARKs und
die damit anvisierte Kundschaft dieses Verhalten erst auftreten
lassen.
Doch
welcher Mitarbeiter kann überhaupt auf Dauer unter solch belastenden
Arbeitsbedingungen, ohne Anerkennung und bei unbefriedigender
Bezahlung mit Motivation und Einsatzfreude arbeiten? Personelle
Unterstützung und Entlastung sei in Engpasszeiten von der
Geschäftsleitung kaum zu erwarten gewesen.
„Ich
vermute, der Geschäftsleitung war es fast egal, wie der Laden
aussah, solange die Zahlen stimmten. Man hat uns, wenn es ganz
chaotisch aussah, zwar immer gehetzt, dass wir effektiver arbeiten
sollten, aber im Endeffekt war insbesondere samstags dem hohen
Kundenaufkommen kaum beizukommen. Zusätzliche Personalausfälle
durch Krankheit mussten hingenommen werden, was die Arbeitsbelastung
zusätzlich erhöhte. Zusatzaufgaben des Managements mussten erledigt
werden, kam es auch noch so ungelegen“.
Einige
Kollegen hätten zudem eine unbezahlte Doppelbelastung gehabt und
hätten, insbesondere an umsatzstarken Tagen, immer als zusätzliche
Hilfskraft an den benachbarten Kassen Stornierungen oder Änderungen
im Kassiervorgang durchführen müssen, da das Kassenpersonal selbst
dafür keine Befugnis gehabt habe. So kam es laut K. insbesondere an
belebten Tagen dazu, dass ein Kollege eines Teams im Abstand von
wenigen Minuten an die Kasse sprinten musste um in Kassiervorgänge
einzugreifen. Dies sei eine unbezahlte und von der Geschäftsleitung
verteilte Zusatzaufgabe gewesen, die den entsprechenden Kollegen ein
großes Maß an Belastbarkeit abverlangte. Eine Anerkennung oder
Beförderung habe es für diese Kollegen in den meisten Fällen
jedoch nicht gegeben. So seien diese Kollegen für die Firma doch ein
gutes „Mädchen für alles“ gewesen, welches man durch eine
Beförderung zu verlieren befürchtet habe.
Nicht nur die
Arbeitsbedingungen innerhalb der Filiale, sondern auch die
Geschäftsgebaren der Filialleitung sorgten für großen Unmut bei
der Belegschaft. So seien Mitarbeiter regelrecht unter Druck gesetzt
worden auch unbeliebte Schichten zu akzeptieren. Ohne Betriebsrat
hatte die Filialleitung quasi freie Hand ihren knallharten Kurs
durchzuziehen – die Leidtragenden waren die Angestellten.
„Irgendwann
sollten die Arbeitszeiten verlängert werden, man wollte die
Mitarbeiter nötigen, bis 22 Uhr zu arbeiten. Auch ich sollte, trotz
2 Stunden Fahrtweg, bis 22 Uhr arbeiten. Und das, obwohl die
Filialleitung genau wusste, dass ich unter diesen Umständen, dank
schlechter Zugverbindung am Abend, erst gegen 1 Uhr nachts zuhause
sein würde. Ich müsste, wie alle anderen auch, schriftlich einen
Antrag stellen. Im Endeffekt konnte sie mich danach jedoch nicht zu
diesen Arbeitszeiten nötigen, da alle Angestellten von Beginn an
andere Arbeitszeiten vertraglich unterschrieben hatten. Dagegen
konnte die Filialleitung nichts tun. Einige wehrten sich nicht gegen
diesen Druck der Filialleitung und nahmen es stillschweigend hin, aus
Angst ihren Job zu verlieren.“
Wie
rigoros die Personalpolitik der Filialleitung war, verdeutlicht K. in
seinen Aussagen.„Welcher
Rasse die Filialleitung angehörte, war spätestens klar als sie auf
Beschwerden, die neuen Schicht- und Arbeitszeitsysteme betreffend,
antwortete: „Wir sind im Handel, wem es nicht passt, der kann gerne
gehen!“.
Ob
ein solches Prinzip auf dem Gebiet der Personalpolitik ein besonders
lobenswerter oder vorbildlicher Kurs ist, liegt sicher im Auge des
Betrachters. Allerdings zeigte der Arbeitsalltag deutlich, dass es
dieser Personalpolitik insbesondere an Effizienz mangelte.
Sowohl
das Betriebsklima, als auch die Motivation der Mitarbeiter sei
ständig schlechter geworden und habe sich in der allgemein
nachlassenden Arbeitsleistung, aber insbesondere am Krankenstand
bemerkbar gemacht.
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Primark-Eröffnung in Hannover, 2011 - für die Mitarbeiter
Stress pur. |
„Die
Filialleitung hat sich über den exorbitant hohen Krankenstand
gewundert, aber es war klar, weshalb niemand wirklich Lust hatte zu
arbeiten. Anerkennung wurde, wenn überhaupt, mit warmen Worten
gezeigt. Gebracht hat das, wenn überhaupt, nur sehr kurzfristig
etwas. Die Leidtragenden des hohen Krankenstandes waren die
Mitarbeiter, die anwesend waren. Aber ich verstehe jeden, der bei
diesem Chaos lieber zuhause bleibt, statt sich für dieses magere
Gehalt dem Druck und Stress auf der Arbeit auszusetzen“.
Immer
neue Strategien seien entstanden, um die Mitarbeiter bei Laune zu
halten. So wurde im Zuge der deutschlandweiten Expansion des
Unternehmens den Mitarbeitern immer wieder propagiert, dass man mit
harter Arbeit und Engagement auch Aussicht auf Positionen im
Managementbereich habe. Zwar hätten dies vereinzelt auch Kollegen
geschafft, dennoch wurde bei der Besetzung dieser Stellen regelrecht
willkürlich vorgegangen. So hätten Kollegen, die in der Hoffnung
auf solch eine Position besonders hart arbeiteten, die Ablehnung für
solch einen Posten wie einen Schlag ins Gesicht empfunden. Auch hier
habe das Unternehmen die wertvolle Loyalität von Mitarbeitern
verloren und nur Hoffnungen geschürt.
Die Ausbeutung von
Mitarbeitern funktionierte aber nicht nur über eine gnadenlose
Personal- und Lohnpolitik, sowie das Anpreisen von möglichen
Karrieresprüngen.
Das Unternehmen forderte eine Solidarität der
Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Auf besondere Bedürfnisse der
Mitarbeiter sei meist nicht eingegangen worden. Es habe mehrere Fälle
gegeben, wo alleinerziehende Mütter mit kleinen Kindern unter den
neuen Arbeitszeiten die Spätschicht bis 22 Uhr übernehmen sollten.
Zudem seien die meisten verkaufsoffenen Sonntage meist für alle
Mitarbeiter verpflichtend gewesen. Des weiteren hätten sich viele
Teilzeitbeschäftigte erfolglos beschwert, dass sie, im Gegensatz zu
den Vollzeitkräften, keinen freien Samstag hätten und sich daher
ungerecht behandelt fühlten.
„Ich
hatte den Eindruck, es wurde immer nur gefordert, man wurde
ausgepresst wie eine Zitrone, bis zum letzten Tropfen. Man sollte
sich immer dem Willen der Bosse fügen – aber wehe, man hatte
selbst einmal Bitten und Wünsche.“
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Gewerkschaft IG-Bau deckt Lohn-Skandal auf der
Primark-Baustelle in Essen auf. Die Baufirma will den
polnischen Arbeitern ihre offenen Löhne nicht zahlen.
Nur 150€ Vorschuss erhielt jeder Pole - ein Stundenlohn
von gerade einmal 50 Cent. (September 2011, Essen)
Lohnbetrug Primark-Bauarbeiter |
Zudem
seien vereinzelt verspätete oder unvollständige Lohnzahlungen
aufgetreten. Deren Konsequenzen mussten die Mitarbeiter tragen.
Benötigte man aufgrund dessen einen Vorschuss, so wurde dieser nur
nach mehrfacher Bitte erfüllt. Dabei habe die Firma die
Zahlungsunregelmäßigkeiten selbst verursacht. Immerhin sei man,
besonders bei einem solch knapp gehaltenen Lohn, darauf angewiesen.
Viel Beachtung oder Verständnis von Seiten der Geschäftsleitung
spürte K. in solchen Fällen nicht.
Nach
dem Ausscheiden aus dem Unternehmen fühle sich K. erleichtert und
rät Kollegen zu einem ähnlichen Schritt. Dass er beinahe aus dem
Unternehmen gedrängt wurde, nachdem er fast 18 Monate treue und gute
Arbeit geleistet habe, schmerzt ihn noch heute.
„Als
ich absehen konnte, dass ich mich nicht auf ewig für einen solch
mageren Lohn für ein Unternehmen abmühen wollte, welches meine
Loyalität nicht erwiderte, suchte ich nach beruflichen Alternativen.
Glücklicherweise hatte ich mit meinem Schulabschluss die Möglichkeit
ein Studium aufzunehmen. Als die Geschäftsleitung von meinen Plänen,
im Studium noch als Samstags-Aushilfe dort zu jobben, erfuhr, wurde
ich ins Büro gerufen. Dort wurde ich von der Filialleitung mit
bohrenden Fragen in die Ecke getrieben“.
In
der Tat zielten die von K. zitierten Fragen der Filialleitung
scheinbar darauf ab, K. dazu zu bringen sein Arbeitsverhältnis dort
zu beenden. So habe die Filialleitung K. mehrfach mit Fragen
regelrecht attackiert und immer wieder kritisch nachgehakt, ob K.
überhaupt noch dem Stress gewachsen sei.
„Wenn
Sie die ganze Woche in der Uni sind und 8 Stunden am Tag lernen,
haben Sie doch samstags keinen freien Kopf mehr, schaffen Sie das
überhaupt?“. Es
folgte die Bemerkung der Filialleitung, man wolle nur alle Risiken
ausschließen.
„Wie
viele Studenten jobben neben ihrem Studium und haben keine Probleme.
Mir wurde mit diesem bombardierenden Nachfragen regelrecht
unterstellt, dass ich Studium und Nebenjob nicht unter einen Hut
bekommen würde - so nach dem Motto, ob ich nicht lieber gleich ganz
gehen wolle“.
Da
K. bereits ein unbefristetes Arbeitsverhältnis hatte, konnte man ihn
nicht einfach so kündigen. Die Filialleitung erkannte in diesem Fall
jedoch für sich eine Gelegenheit einen Mitarbeiter zu vergraulen.
Bis heute kann sich K. für dieses gnadenlose Verhalten keinen Grund
erklären, immerhin habe er bis zuletzt gut gearbeitet.
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Chaos und Menschenmassen bei Eröffnung
eines neuen Primark-Ladens:
Sieht so ein angenehmes Einkaufserlebnis aus? |
„Nachdem
ich 18 Monate trotz widrigen Umständen dort täglich gute Arbeit
leistete, empfand ich das als einen Schlag ins Gesicht. Ich erinnere
mich noch gut, dass ich oft für die Filialleitung übersetzen
musste, wenn Management aus Irland zu Besuch kam, da unsere
Filialleitung selbst kaum Englisch konnte“.
Sicher
ist K. nur ein Fall eines enttäuschten Mitarbeiters von PRIMARK.
Viele seiner ehemaligen Kollegen könnten sicher ähnlich über
PRIMARK berichten, wurden schließlich auch sie Opfer einer
gnadenlosen Geschäftspolitik. Die Gründe für deren Ausscheiden
finden sich zumeist in zwei Kategorien: Grundloses Auslaufen des
Arbeitsvertrags ohne Verlängerung oder eigene Kündigung aufgrund
der Arbeitsbedingungen oder Perspektivlosigkeit.
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Textilfabrik in Bangladesh - Primark wirbt,
wie viele andere Textilhandelsketten, mit
fairem Handel und ethischen Grundsätzen.
Eine Reportage des ARD enttarnte
jedoch bereits den Konkurrenten KiK, der in
Bangladesh für Hungerlöhne Kleidung nähen
lasse. Bei Primarks Kampfpreisen darf man
auch hier zweifeln, ob die Primark-Näherinnen
in Bangladesh tatsächlich fair behandelt
und entlohnt werden. |
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Dass mittlerweile auch einige Kunden begriffen haben, dass das
Konzept von PRIMARK kein angenehmes Einkaufserlebnis bietet, zeigen
diverse Kundenbewertungen auf verschiedenen Portalen im Internet.
Dort wird der Laden mit einem „arabischen Basar“ verglichen, es
ist von chaotischer „Wühltisch“-Atmosphäre und gänzlich
überfordertem und, vom Kundenstrom und dreistem Verhalten genervtem,
Aufräum-Personal die Rede. Zudem rieche ein Großteil der Ware nach
Chemie.
Ob die Eindrücke K.s einen Einzelfall darstellen
lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit sagen.
Resümieren lässt sich aus diesen Eindrücken jedoch, dass PRIMARK, sofern K.s Aussagen die Realität wiederspiegeln, seinen Gewinn
auf Kosten der Mitarbeiter maximiert und Wertschätzung,
Menschlichkeit, sowie gerechte Arbeitsbedingungen, mit welchen das
Unternehmen auf seiner deutschen Webseite für neue Mitarbeiter
wirbt, scheinbar vermissen lässt.
Eine Stellungnahme von PRIMARK bleibt bis heute aus.